Gloom/Gloom Deluxe – Test

Es war 1995 als der Amiga verdoomifiziert wurde. Aber spulen wir noch mal kurz zurück.

Am 10.12.1993 veröffentlichte ID-Software den Meilenstein im Ego-Shooter Genre. Ziel des Spiels war es mit relativ brutalen Mitteln einen Planeten von Dämonen zu befreien. Das man dabei auf Kettensegen, Schrottflinten und Raketenwerfern zurückgreifen konnte stellte, neben den grafisch beeindruckenden Levels, ein weiteres Highlight dar.

Nun aber zu Gloom.
Gloom (Anm.: wie kamen die Entwickler bloß auf diesen ausgefallenen Namen?) ist also das für den Amiga, was für die PC ler IDs Meisterhit ist. Zwei Jahre nach dem PC Debüt ging es also in Gloom ebenfalls auf Monster-Metzel Jagd. In Gloom werden einem Soldaten, organo Roboter, glatzköpfige Zombies und allerlei andere “Monster” vor den virtuellen Lauf geworfen.

Die Art der Zerkleinerung der jeweiligen Kreaturen ist allerdings lange nicht so einfallsreich wie beim ID Original, denn man benutzt das komplette Spiel über ein und dasselbe Gewehr aus dem nur unterschiedlich Starke “Plasma” Geschosse kommen.
Der Gegner wird beim Aufprall dieser allerdings fein säuberlich in seine Einzelteile (Gedärme etc.) zerlegt. Ob das nun ansprechend ist oder nicht muss jeder selbst entscheiden. Der Amiga Joker vergab seinerzeit keine Wertung da man es zu “abstossend” fand. Die Amiga Games erwähnte in ihrem Test einfach die “Brutalität” nicht und ich persönlich denke, Gloom ist auch nicht brutaler als Dogs of War aus dem Jahre 1989 (Test folgt demnächst) oder heutigen “Standard” Shootern. Und aus heutiger Sicht kann man bei den Tests des Jokers und der Amiga Games eigentlich nur schmunzeln.
Aber weiter zum Spiel.
Ausgerüstet mit einer Waffe metzeln wir uns durch gescriptete Gegnerhorden immer mit dem Finger am Abzug um die heranstürmenden Horden ins Jenseitz zu befördern
(Anm.: Viele kamen ja auch direkt von dort, also back from where you come).
Das Leveldesign ist auf dem Amiga im Ego-Shooter Bereich eines, welches seinesgleichen sucht denn die Level sind allesamt sehr gut aufgebaut und mit einigen Gimmicks (versteckte Türen, Schalter und Drehtüren) versehen. Den Energiehaushalt frischt man mit “Nucke/Milchl”Flaschen wieder auf und extra Leben kann man zb. an Spielautomaten erspielen.
Leider gibt es in Gloom keine Levelcodes, Saveplätze oder Continues so das man beim ableben (wenn alle Leben verbraucht wurden) das Spiel komplett neu gestartet werden muss. Sicher hätte man diesen Umstand besser lösen können, aber glaubt mir Gloom macht auch nach dem x-ten Startversuch verdammt viel Spass.

Der Schwierigkeitsgrad ist linear ansteigend, was sich hauptsächlich in der Masse und Widerstandskraft der Gegner ausdrückt. Reichen für einfache Soldaten noch einfache Geschosse, sollte man für die “BigDaddys” schon das passende Werkzeug in den Händen halten.

Auf der technischen Seite kann Gloom glänzen. Es ist nicht der schönste Ego-Shooter am Amiga, aber der am besten spielbare. Die Fenstergrösse lässt sich einzeln regeln und Decken und Bodentexturen können der Hardware angepasst werden. Auch die Pixelqualität ist einstellbar, und so schafft selbst ein nackter A1200 dieses Spiel in annehbarer Geschwindigkeit darzustellen. Nutzer von Turbokarten ab 1230 (68030ér Prozessor) können sich sogar an den Fullscreen herantrauen.

Die Steuerung von Gloom ist für Amiga Gamer ein Traum, denn vom Keyboard bis zum Joystick bis zum CD32 Pad wird alles unterstützt. Und so ist Gloom eines dieser RetroGames welches man genüsslich und unverkrampft auf der Couch gut mit Pad spielen kann. Eine Empfehlung geht natürlich an das Playstation Pad welches ihr mittels Adapter (siehe Test) am Amiga nutzen könnt.

Das beste kommt ja bekanntlich zum Schluss, und so möchte ich hinzufügen das Gloom einen Coop sowie einen Deat-Match Part liefert. Gespielt wird dabei im Splitscreenverfahren, oder an zwei Amigas per NullModem-Kabel oder Modem.

Unterschiede zu Gloom Deluxe:

Gloom Deluxe erschien ein Jahr später und kann als grosser Patch gesehen werden. Am Spielverlauf wurde nichts verändert. Allerdings wurde nun der ECS Chipsatz (also der A500/A600) mit unterstützt. Weiterhin wurde die Grafik noch mal mächtig aufgebohrt, was allerdings die entsprechende Hardware voraussetzt. Am Sound wurde ebenfalls gefeilt (Anm.: welcher allerdings im Ur-Gloom auch schon sehr gut war).

Fazit:

Für mich war Gloom eine Offenbarung. Ich weiss noch genau wie ich es Wochen und Monate gespielt habe. Die Optik war aus damaliger Sicht einfach fast unglaublich (Anm.: 3D Shooter auf dem Amiga, wer hätte das für möglich gehalten). Und auch auf der technischen Seite ist Gloom einfach umwerfend gewesen. Das 2 x 880 KByte (ca. 1,7 MByte) Disketten solch ein Spiel beherbergen hätte ich bis zu dem Zeitpunkt nie für möglich gehalten.

Gloom ist auf jeden Fall ein Tip für alle die es bisher nicht kennen, Wiedereinsteiger oder auch für uns alte Hasen die einfach und schnell gepflegt 3D AMIGA Shootern wollen. (30.12.2010)

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